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Sonntag, 21. November 2021

Die Schönheit des Denkens in Cafés

 

Die Schönheit des Denkens

Ich bin so viel im Kopf in letzter Zeit, und dann verengt und verkompliziert sich vieles unnötig. Okay. So ist es dann, und es wird sich wieder wandeln, ganz von selbst. Es wäre schon zu viel, zu denken, damit irgendetwas „machen“ zu müssen. Heute kam mir dazu die Geschichte von dem Tausendfüßler und dem Frosch in den Sinn: Treffen sich ein Tausendfüßler und ein Frosch. Als der Frosch all die Füße des Tausendfüßlers sieht, ist er schwer beeindruckt und fragt, wie um alles in der Welt es dieser denn schafft, mit so vielen Beinen zu laufen. „Hmm“, entgegnet der Tausendfüßler, „darüber habe ich noch nie nachgedacht“. Das Ende und die Moral von der Geschicht ist, dass er anfängt, darüber nachzudenken und daraufhin nicht mehr laufen kann. Das arme Denken wird dabei ziemlich rigoros beiseitegewischt, irgendwie zu recht, aber irgendwie auch nicht.

Denn vielleicht liegt die Kunst darin, über Dinge, sich selbst, das Leben nachzudenken, so viel man will, wenn einem das Freude macht, wenn das interessant gefunden wird. Es geschieht dann in einem fragenden, sich wundernden, faszinierten, neugierigen, offenen Sinne, wie ein erstauntes Oh, sieh mal an ..., ohne dass es ein Hindernis für den intuitiven, natürlichen Fluss der Dinge wäre, vielmehr ein harmonischer Tanz zwischen Herz und Kopf, Intuition und Intellekt, ohne zwischen ihnen allzu sehr zu unterscheiden. Dann ist das Denken etwas Bereicherndes, etwas, was einen den natürlichen Fluss noch mehr genießen lässt, was ihm eine weitere Dimension hinzufügt, ihn speist und dabei schöpferisch ist. Wenngleich es manchmal auch einfach schön, wichtig, wertvoll, angemessen“ ist, den Intellekt komplett beiseitezulassen. Was auch immer gefällt, wie auch immer es sich jeweils abspielt … Wenn das Denken aber an Bord ist, „sollte“ es idealerweise freudvoll, leichtfüßig, geschmeidig und konstruktiv sein, nicht trocken, neurotisch, blasiert, rigide, widerständig, rechthaberisch oder zer- und verzweifelnd. Dann sind die Dinge ganz wunderbar komplex, ohne kompliziert zu sein, dann kommt alles ins Schweben, ist bezaubernd bunt und facettenreich, ohne zu überfordern und ohne den ernsthaften Anspruch, verstehen und einordnen zu müssen. Dann lebt man im erfrischend-freien und zugeneigten Sowohl-als-auch, in einer beglückenden Allesheit statt in den engen Gängen von Entweder-oder, Richtig und Falsch. Oh, wie ich das liebe. ❤

Freitag, 5. Februar 2021

Play of life

“Behind the scenes:

How do you know what you are doing?
I don’t. Nobody does. They only pretend.
How do you know that?
I don’t. I only pretend.
And you call that life?
Yes, that is life, it seems.
I don
t know if I like that.
That
s alright. You dont have to decide. Can you at all?
Sometimes I like it, sometimes I don
t.
Yep, it
s all it. No escape.
I feel there
s gotta be more to it.
I know. Maybe there is. With love, with letting go, it
’s more. It’s enough, it’s all.
When the questions come to an end, everything is the answer?
Yes, including any further questions that may arise. Or any further explorations.
And when I die?
Maybe then it
s more, or kind of less. Or the same, but different. Who knows?
What is death?
What is life?
Is there a difference?
Maybe.
Are we alive or dead now?
Good question.
How real are life and death?
As real as it gets, I
’d say.

Donnerstag, 14. Januar 2021

Glück

Eigentlich mag ich Kategorisierungen à la „Es gibt so und so viele Arten von dem und dem“ nicht besonders. Aber wie das Leben so spielt, habe ich gerade Lust zu behaupten, dass es drei Arten von Glück gibt:

        1. Bedingtes Glück: Wellen an der Oberfläche (dual)
        2. Bedingungsloses Glück: stille, friedliche Tiefe des Meeres (non-dual)
        3. „Jenseits“ von glücklich vs. unglücklich, aber auch sie beide: der ganze Ozean (total)

Nummer 1 lässt sich zum Teil äußerlich herbeiführen oder begünstigen: Ich kann spazieren gehen, Yoga machen, die Wohnung aufräumen, ein Buch lesen, Musik hören, singen, tanzen, mit einem Kind spielen, eine Katze streicheln oder an meiner Konditionierung und meinen Glaubenssätzen basteln. Ich fühle mich ganz natürlich hingezogen zu Situationen, Tätigkeiten und Menschen, die mir Wohlbefinden bereiten (und wie das genau aussieht, kann individuell und je nach Tagesform oder Lebensphase sehr verschieden kann). Oder aber das Glück taucht einfach auf, z. B. in Form von guter Laune, wenn die Sonne scheint, jemand nett zu mir ist, die Haare gut liegen oder das Essen köstlich schmeckt. Für Nummer 2 lässt sich auch etwas tun, und zwar innerlich, z. B. durch Fokus, Achtsamkeit, Fühlen, Meditieren, Gewahrsein oder Selbsterforschung. Die Sehnsucht nach diesen beiden Glücksarten und der damit verbundenen persönlichen oder relativen Freiheit bringt all die wunderbaren und wundersamen Spielwiesen von Arbeit, Freizeit, Sport und Spiel, Technologie, Wissenschaft, Kunst, Beziehungen, Therapie, Persönlichkeitsentwicklung, Weisheit, Spiritualität, Esoterik, Metaphysik, Bewusstseinserforschung & Co. hervor (oder umgekehrt: diese Spielwiesen erzeugen oder befördern diese Glücksarten). Wie wohl jeder weiß, lohnt es sich sehr, sich dort umzusehen; es kann unglaublich viel Spaß machen und unzählige neue Empfindungen, Facetten und Wahrnehmungen eröffnen. No limits!

Nummer 3 ist hingegen einfach der Fall; es ist sozusagen absolute oder unpersönliche Freiheit. Sie kann nicht wirklich erreicht, erfahren oder erkannt werden (weil sie schon alles ist, inklusive Erkenner bzw. Erkennen), und man sollte sie vielleicht auch nicht Glück nennen. Aber eben das kann scheinbar erkannt werden. Beziehungsweise kann das, was dieses scheinbare Erkennen scheinbar verhindert (Annahmen, Überzeugungen, Konzepte), wegfallen oder durchschaut werden. Der Vorhang lüftet sich, das torlose Tor wird durchschritten, das Zuhause, das Paradies wurde nie verlassen. Oh, mein Gott. Es fühlt sich fast falsch an, solche Formulierungen zu verwenden, denn sie klingen viel geheimnisvoller, als das Ganze ist. Wenn, dann ist es eher ein kleines, leises Wow, Ups oder Aha statt eins mit drei Ausrufezeichen – und wohl auch nur, wenn man vorher auf Spielwiese 1 oder 2 sehr engagiert war und ernsthaft dachte, es richtig machen zu sollen oder zu können, es zu schaffen, eine wie auch immer geartete Checkliste abarbeiten zu müssen, irgendwann irgendwo in einer Art dauerhaftem Superzustand anzukommen oder die Wahrheit zu finden (statt sie in all dem spannenden Erforschen und Bestreben, aber auch in allem sogenannten Alltäglichen und Banalen immer schon zu sein). Oder es ist einfach ein Schulterzucken. Whatever. Und es scheint auch Abstufungen zu geben. Doch all das ist im Grunde egal, denn eigentlich ist es nichts. Alle Worte und Beschreibungsversuche sind irgendwie fehl am Platz, viel zu klein oder viel zu groß (z. B. Erleuchtung, Befreiung, Ichlosigkeit und mysteriöse Sanskrit-Begriffe; sie gehören alle eher zu Nummer 2). Irgendwie ist es das Selbstverständlichste und Offensichtlichste von der Welt: Leben passiert, in all seinen unzähligen Gewändern, wie eng oder weit, dunkel oder lichtvoll, materiell oder spirituell, konventionell oder abgefahren sie auch erscheinen mögen. Jeder weiß das ja, jeder ist das, genau so, wie er/sie/es in jedem Moment ist. Als Erkenntnis ist es spektakulär unspektakulär und wahrscheinlich deswegen nicht besonders populär. Was natürlich völlig okay ist.

Interessant ist, dass keine dieser Glücksarten für eine andere aufgegeben werden muss; das Interesse, die Resonanz, die Energie fließt, wohin sie eben gerade fließt. Unerbittlich, frei und fröhlich. Erlaubt ist, was gefällt bzw. was passiert. Und das, bzw. die Wahrnehmung dessen, also meine Realität, scheint von dem momentanen „Paket aus Bedürfnissen, Vorlieben, Wünschen, Überzeugungen und Widerständen, das ich ist, bestimmt zu sein. Alle drei Glücksvarianten (und auch alle möglichen anderen) haben offensichtlich ihren Platz und sind wunderbar. Sowohl als auch. Die zweite Art enthält die erste und verstärkt sie sogar, weil die Abhängigkeit von äußerem Glück dabei abnimmt oder wegfällt dann kann es sich umso besser zeigen und genossen werden. Und die dritte Art umfasst die ersten beiden, wenn man so will; ohne sie aber vorauszusetzen. Progressiv, expansiv, inklusiv. Das Leben eben.

Bild von Merry Christmas auf Pixabay

Sonntag, 20. Dezember 2020

Youniverse

“It’s really interesting: This reality that humans claim and cling to is such an arbitrary thing. You are billions of people with billions of different perspectives of life experience literally creating billions of different worlds, yet pretending that it is one big world that you are all sharing equally. And it’s not even close to that, you see? You’re on these vibrational islands with law of attraction spinning on your individual vortices giving you exactly what you are a vibrational match to.” (Abraham-Hicks) 

 

The amazingness of fractal structures:
endless wholeness(es), endless reflections of the same.
(Picture by Albrecht Fietz on Pixabay)

Beloved romanesco! Youre not only delicious to eat but also something to marvel at in other respects. I find it so fascinating that the “whole” consists not of parts but of endless “wholes.” Or: The whole as such doesn’t exist, only individuals (= undividables) exist or appear. Countless integrals or integrities. Like with life: It consists of individual realities, perceptions, expressions or phenomena, which stand for themselves and represent the assumed whole. And every wholeness or collectiveness is a projection coming from, or appearing as, the individual (which again is the whole itself). Collective ideas or conventions certainly serve their purposes, and they are continually changing or evolving and, by doing so, can become less relevant or less dogmatic (in case individual beliefs allow it). But if we exaggerate these ideas, we limit ourselves, our wholeness, individuality, aloneness, all-one-ness. Our divinity. Artists, poets, inventors, visionaries, mystics, sages, so-called crazy and so-called simple-minded people have known that for ages, and it seems that it’s becoming more and more common, losing the grip of exclusivity and weirdness. And so is knowledge losing its notion of certainty. Concepts are being seen through. Beliefs are being let go of or changed into something that serves the individual and therefore the projected whole better. All kinds of things are being questioned. Either/or thinking is being replaced by bothand and/or neither_nor thinking. For example, God doesnt exist, like some people say. And it does exist. Because its just an idea or perception which I give whatever meaning or non-meaning in my reality. Like with every other idea. We make that all up. And its God doing it because I am doing it. God is me, I am God. There is nothing else but the one of us. Like a spotlight that consists of the narrow end (human, individual focus, ego) and the broader light behind it. Theyre one and the same light. And maybe those who don’t know of the concept of God or the whole embody it best, so to speak. Little children, animals, plants and everyone who doesnt insist on a difference. They simply are the whole light without differentiating between narrow focus and diffuse light, human and God, ego and higher self, individual and collective. And this doesnt mean that they are perfect or holy beings. They’re perfectly imperfect, unfinished, ever-changing. Just divine humans or human Gods. Like everyone, actually.

Sonntag, 13. Dezember 2020

Erlaubnis?

„Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit: erlauben, was war“ (Kapitelüberschrift im Buch „Den Advent neu erleben“ von Martina Kaiser)

Interessant, das erlauben, was war. Ja, das Erlauben kommt immer hinterher oder on top, auch das Erlauben der Gegenwart und Zukunft. Immer quasi einen Tick zu spät, weil das angeblich zu Erlaubende schon passiert ist, schon dabei ist zu passieren (wenn auch vielleicht auf die Zukunft projiziert) oder schon passé ist. Im Grunde braucht und kann nichts erlaubt werden. Aber dann ist es eben doch etwas anderes, jedenfalls in der Welt des Ich, wenn etwas bewusst erlaubt, angenommen, wertgeschätzt wird, als wenn ich es mir nicht bewusst mache oder es gar ablehne. Nichts ist voneinander zu trennen, auch nicht das sogenannte Ich von der sogenannten natürlichen Realität. Alles ist die natürliche Realität. Wie auch nicht? Alles ist (scheinbar) individuelle und momentane Wahr-nehmung. Alles ist die Wirk-lichkeit, wie sie „mir“ oder hier erscheint. Allein und all-eins.

Und vielleicht ist es ja so, dass sich das ganze Leben in die Existenz erlaubt oder glaubt? Es scheint, als müsste ich meinen Körper, den Tisch, den Computer, das Haus, die Bäume, den Himmel, den nächsten Gedanken oder das nächste Gefühl nicht erst erlauben oder an sie glauben, damit sie erscheinen. Aber vielleicht auf eine Art doch? Ohne Glauben, ohne Wahrnehmung, ohne Interpretation keine Welt, nur unmanifestiertes Nichts, nur Schwingung, nur Bewusstsein ohne Bewusstsein, ohne jeden Fokus (wie im Tiefschlaf)? Ich mag diese Fragen. Auch wenn es vielleicht keine Antworten darauf gibt, oder alle möglichen, und jede Antwort einfach eine weitere Erscheinung ist, die noch dazu drei neue Fragen aufwirft. Das ist wohl der Witz dabei.

Montag, 11. Februar 2019

Alles ist rund

„Die nächsten Tempel bringen die nächsten Rätsel. Zwei Fenster öffnen sich im Genko-an zu dem pittoresken Garten, in dessen Mitte ein Ahornbaum seine Blätter fallen lässt. Das eine ist kreisrund und heißt ‚Fenster der Erleuchtung. Das andere ist rechteckig und heißt Fenster der Verwirrung. Vor dem runden sitzen die Japaner und machen Selfies. Ich hocke allein vor dem Fenster der Verwirrung und versuche vergeblich, den Unterschied zum Ausblick aus dem benachbarten Bullauge zu erkennen.“

(Kalle Harberg in einem Text über Kyoto in der Zeitschrift MERIAN Japan)

😄

That’s it! Kein wirklicher Unterschied. Keine Erleuchtung und keine Verwirrung. Da ist einfach das, was auf der Bildfläche erscheint, sei es rund oder eckig oder wie auch immer eingefasst. Einzig die Annahme eines Rahmens oder einer bestimmten Rahmenform ist, was dieses Erkennen“ zu verhindern scheint. Wenn die Vorstellung von Erleuchtung verschwindet, verstellt sie scheinbar nicht länger den Weg – übrig bleibt Erleuchtung“ oder Freiheit. Einfach das, was eben erscheint, längst frei, längst „erleuchtet, immer im Spotlight. So oder so, es ist alles, und alles ist es – das eine Lebensspiel.

Donnerstag, 7. Juni 2018

Übergänge

Mal wieder: das Bedingungslose Grundeinkommen :). Das Thema hat einfach jedes befürwortende Wort verdient, das über es geschrieben und gesprochen wird. In den Verlorenen Gedanken, dem Newsletter von Christof Jauernig aus Frankfurt/Main, ist ein Gastbeitrag von mir zum BGE erschienen. Christof kündigte vor einigen Jahren seinen ihm unliebsam gewordenen Job als Analyst einer Unternehmensberatung für Banken und reiste mit dem Rucksack durch Südostasien – Zukunft ungewiss. Auf dieser Reise ließ er sich verzaubern von der Schönheit der Welt und des Seins. Er erzählt von seinen Erfahrungen und Wandlungen – virtuell in seinem Newsletter und vor allem live in seinen Lesungen, die er mit Bildern von der Reise und mit meditativen Klavierimprovisationen untermalt.

Die aktuelle Ausgabe der Verlorenen Gedanken steht unter dem Thema „Übergänge“. Das BGE sehe ich als einen solchen; als gesellschaftspolitische Brücke in ein neues Paradigma. Als eine soziale Innovation nach all den technischen Neuerungen, von denen die Menschheit in den letzten Jahrhunderten beschenkt oder auch heimgesucht wurde. Dabei lädt das BGE jede*n Einzelne*n von uns zu kleinen und großen Fragen ein – und vielleicht zu Übergängen verschiedenster Art. 

Kuang Si-Wasserfälle bei Luang Prabang, Laos (Christof Jauernig)

Zum Newsletter mit Christofs Schilderungen „aus der Schönheit der Zeitlosigkeit und mit meinem BGE-Beitrag geht es hier. Dort finden sich auch die kommenden Lesungstermine und -orte, an denen die Verlorenen Gedanken live erlebt werden können. Schwärmt aus, lauscht, schaut und lasst Euch inspirieren ...

Freitag, 6. April 2018

Über den Müßiggang 2

Morning Sheets by Chelsea Bentley James

Da mir das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und die Frage nach gesellschaftlichem Wandel gerade sehr am Herzen liegen, handelt auch dieser Beitrag wieder von diesem Thema. 

Über den Weg gelaufen und in den Schoß gefallen – wie reife Äpfel vom BGE-Baum sozusagen – sind mir die untenstehenden Inspirationsquellen zum Thema Faulheit und Müßiggang. Sie sprechen mir aus dem Leben und aus dem Herzen, und ich lege sie jedem, der mag, an seins – auch und gerade im Zusammenhang mit all den persönlichen, gesellschaftlichen und globalen Fragen, die sich rund ums BGE, rund um die Zukunft dieser Gesellschaft und der menschlichen Spezies stellen: Was bedeutet Menschsein für mich? Welche Werte will ich hier eigentlich schöpfen, mit meinem Tun und Sein? Was sind meine Bedürfnisse, und was für ein Leben finde ich lebenswert? Wie wollen wir miteinander umgehen? Welche Art von Wachstum wollen und können (!?) wir uns hier künftig erlauben, persönlich, sozial, wirtschaftlich und ökologisch? Und so sind „Muße“ und „Faulheit“ auch längst keine Exklusivthemen für Philosophen, Künstler, Aussteiger oder moderne Dandys mehr, sondern treffen ziemlich genau den Zeitgeist. Denke, hoffe, träume ich jedenfalls.


Sonntag, 18. März 2018

Wenn ich ein Gesetz erlassen könnte ...

Neulich las ich im Jenaer Stadtmagazin die Seite mit Statements von Leuten, die auf der Straße zu einem bestimmten Thema befragt werden, à la Was würdest Du tun .... Diesmal war die Frage, was der jeweilige Mensch machen würde, wenn er ein beliebiges Gesetz erlassen könnte.

Ein oder zwei Antworten fand ich ziemlich gruselig, andere nicht relevant für mich und wieder andere sehr sympathisch: Zum Beispiel die, verkaufsoffene Sonntage zu verbieten, oder die, alle Gesetze gleich ganz abzuschaffen, damit Menschen nicht unnötig eingeschränkt werden (Gewalttaten begingen sie ja auch so). Das sagte jemand, der daran glaubt, dass Freiheit besser ist als Zwang und das Gute im Menschen größer als das Schlechte. An dieser Stelle liebe Grüße an Vasco, 28, Beruf heute hier, morgen dort.

Also, wenn ich ein Gesetz erlassen könnte, wenn ich für einen Tag Diktatorin dieses Landes wäre, dann würde ich alle Menschen zwingen, das Buch 1000 Euro für jeden. Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen. von Götz Werner und Adrienne Goehler zu lesen. Das Volk müsste allen Druck und alle Hetze hinter sich lassen und sich voller Muße und Leselust aufs Sofa oder in die Hängematte legen (jaja, die vielbeschworene Hängematte, denn mit einem BGE würde ja niemand mehr arbeiten, schlimm). Vorher könnten sich die Leute einen Tee machen, ein Bier holen oder was auch immer der Steigerung ihrer Arbeitsmoral dienlich wäre. Sie könnten sich auch in ein Café oder raus in die Sonne (naja, in den Schnee) setzen und auf Staatskosten einen Milchkaffee und ein Stück Kuchen bestellen. Nun wären alle angehalten, mit einem frischen Geist und offenen Herzen tätig zu werden, fleißig ans Werk zu gehen, wertschöpfend zu sein, der Volkswirtschaft zu dienen. Das heißt, zu lesen, innezuhalten, nachzudenken und in sich hineinzuhorchen. Das Buch müsste von allen durchgelesen werden, zwingend von vorn bis hinten, in schweren Fällen mehrmals hintereinander. Dazu hätte jede*r mehrere Tage oder von mir aus ein paar Wochen Zeit, da wäre ich gnädig. Alle übrige Arbeit müsste in dieser Zeit ruhen, mit den wirklich wichtigen Dingen wie etwa Brotbacken, Gemüseernten, Saubermachen oder der Versorgung von Babys und Kranken müssten sich alle abwechseln. Und die Kuchen und Kaffees in den Cafés müsste natürlich jemand machen, ebenso müssten Tee, Bier, Wein & Co. an der Hängematte nachgereicht werden. Musiker dürften zur Untermalung der kollektiven Be-Geisterung aufspielen, Poeten Gedichte schreiben, und noch ein paar andere Dinge mehr wären erwünscht, das müsste ich mir noch genauer überlegen. Ach ja, Kinder und Tiere dürften natürlich die ganze Zeit über machen, was sie wollten. Ja, so wäre das, und wenn dann alle fertig wären mit der Lektüre, könnten wir am darauffolgenden Tag das Bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil alle Menschen das Thema endlich richtig kennengelernt und verstanden hätten. Weil sie eingesehen hätten, dass es menschenfreundlich, schön, rational und dringend notwendig ist. Weil nämlich jeder auch nur halbwegs intelligente, intuitive und initiative Mensch das BGE einfach verstehen und begrüßen muss, und mein Volk bestünde natürlich nur aus solchen Menschen, deswegen hätten sie ja auch mich als Herrscherin auserkoren.

Ja, wenn ... Wenn ich doch bloß das Sagen hätte ... ;)

So bleibt mir nur zu hoffen ... Und mich dafür einzusetzen und gespannt zu sein, ob/dass das BGE früher oder später kommen und die Last der Arbeitsfron von den Schultern dieser Gesellschaft nehmen wird – weil die Dreifaltigkeit aus (Erwerbs-)Arbeit, Geld und Konsum in Zeiten materiellen Überflusses und zunehmender Virtualisierung von Gütern nämlich längst nicht mehr wie ein Damoklesschwert über uns schweben muss. Ahhh ... Auf dass ein Ruck* und ein Seufzen durch Deutschland gehe, ein frischer Wind die Köpfe streife, ein bunter Wirbel wehe, aus Muße, Sinn und neuer Leistungslust, aus Freundlichkeit und Fairness, Offenheit und Augenhöhe, Mitgefühl und Vertrauen. Auf dass das Edle im Menschen die historisch einmalige Chance bekomme, einmal etwas stärker hervorgelockt zu werden. Vasco würde sich bestimmt auch freuen. Denn nach dem Fressen kommt doch eigentlich die Moral, zumindest wenn Brecht recht hatte?

*Nicht mit allem aus Roman Herzogs berühmter Rede von 1997 stimme ich überein, z. B. erscheinen mir unbedingtes Leistungsdenken, Arbeitsplatzschaffung und Wirtschaftswachstum fragwürdig. Auch fehlt die ökologische Frage in der Rede völlig. Aber der Appell, aus Überholtem aus- und in eine „frischere“ Gesellschaft aufzubrechen, den finde ich gut – und nach 20 (!) Jahren, in denen sich vieles zum Schlechteren verändert hat, aktueller und brisanter denn je. Let’s go?

Übrigens: Ich verlose hiermit fünf Exemplare des oben genannten Buchs. Wenn Du eins davon haben möchtest, schreib mir bitte in einer E-Mail (Adresse siehe unter Kontakt) Deine Anschrift, was Du vom BGE hältst und wie es Dein Leben vielleicht verändern würde. Und natürlich verpflichtest Du Dich, das Buch auch zu lesen, unter den oben beschriebenen Bedingungen ;).

Freitag, 9. März 2018

Naiv?

Naivität:

1.a.  von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend

   b.  (oft abwertend) wenig Erfahrung, Sachkenntnis oder Urteilsvermögen erkennen lassend und entsprechend einfältig, töricht [wirkend]

2.  (Literaturwissenschaft) in vollem Einklang mit Natur und Wirklichkeit stehend

(duden.de)


Wie naiv bist Du?
Schließen sich Unbefangenheit und kritisches Denken aus?
Warum heißt es so oft Kopf oder Herz/Bauch?
Freiheit oder Sicherheit?
Ich oder Du?

Ja. Nein. Jein.
Oft geht eben beides.
Sowohl-als-auch statt Entweder-oder!
 
Träum weiter.
Ja, genau!

Bedingungsloses Grundeinkommen:
Die Zeit ist reif :).



Und noch ein Link zum Thema:
Im PDF Mut zur Transformation diskutieren verschiedene Leute die Idee, den Hintergrund und die Umstände des BGE und beleuchten sehr viele Aspekte, die damit zusammenhängen. Erstellt wurde es in der Schweiz, wo sie ja mit dem Thema schon etwas weiter sind als wir hier in Deutschland; vgl. die Schweizer Volksabstimmung zum BGE vor zwei Jahren, in der sich 23 Prozent der Menschen dafür ausgesprochen haben – seitdem ist das Thema umso mehr auf dem Tisch. In Deutschland befürworten Umfragen zufolge zwischen 60 und 75 Prozent der Menschen das BGE. Das will doch etwas heißen!?


Sehr berührend und traurig finde ich die Geschichte von Paula Kunz ab S. 64. Sie zeigt eindrücklich die Unbarmherzigkeit des aktuellen Systems / der Erwerbsarbeits- und Leistungsnorm und die anscheinend große Lieblosigkeit der Menschen untereinander und gegen sich selbst. Eine "Aufgabe" der BGE-Diskussion (und der Armutsdiskussion und der "Flüchtlingskrise" und der Klimaproblematik, ...) scheint mir zu sein, diese Abgründe aufzudecken – und vielleicht zu einer Heilung beizutragen? Wir wollen doch alle einfach Mensch sein und möglichst frei und glücklich leben!?

"Warum ich das sogenannt 'normale' Leben nicht 'auf die Reihe kriegte', ist auch heute noch nicht eindeutig analysiert. Meine Lebenserfahrung und der Austausch mit anderen Menschen lehrten mich, dass das Leben eines Menschen nie gänzlich verstanden werden kann. Deshalb ist das bedingungslose Grundeinkommen so wichtig. Wir BürgerInnen sind einander keine Rechenschaft schuldig. Jeder Mensch macht von sich aus immer das Beste, was er vermag."

"Ich habe in den letzten Tagen etwas Wesentliches neu erkannt: Ich kann die Bedingungslosigkeit nur dann für mich wünschen, wenn ich nach dem Motto lebe: Ich bin genau richtig, so wie ich bin. Und die anderen sind es auch."

Montag, 26. Februar 2018

Bedingungsloses Grundeinkommen 2




Ich möchte neben den Gedanken und Links aus dem Post vom 2. Februar noch sehr den obigen Bericht von Ralph Boes aus Berlin ans Herz legen. Seine Erzählung ist ein großartiges, klares, leidenschaftliches Plädoyer für Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung – und das BGE. Es anzuhören, darüber nach- und mitzudenken, sind zwei ausgezeichnet „investierte“ Stunden, wie ich finde.

Ralph Boes spricht über diese Dinge anhand der Hartz-IV-Problematik und der Unrechtmäßigkeit der sog. Eingliederungsvereinbarung, die Hartz-IV-Empfänger (tatsächlich „Kunden“ genannt, obwohl „Sklaven“ ehrlicher wäre) unterschreiben müssen – bzw. die sie eben auch, dank Ralph Boes‘ Vorarbeit, korrigieren und individuell ändern können, damit sie rechtskonform(er) ist. Diese „Vereinbarung“ („Verordnung“ trifft es wohl eher) muss man unterschreiben, um Hartz-IV-Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Ich habe dank des Videos viel gelernt über dieses Instrument, seine Sanktionen und darüber, wie erpresserisch und kontrollierend es ist. Es ist eine gewisse soziale Existenzsicherung, das ist gut, aber sie ist an Bedingungen geknüpft, die beschämend sind, vor allem für eine Ära, in der Maschinen und Computer mehr und mehr Arbeit übernehmen, die Regale in den Läden mit Waren überquillen und Arbeit von Menschenhand und Menschenkopf (!) immer überflüssiger oder unabhängiger von der Geldlogik wird. Außerdem ist bezahlte Arbeit für alle (
Vollbeschäftigung) fast immer nur eine Illusion gewesen. Wir spielen hier also seit Jahrzehnten „Reise nach Jerusalem“ mit Arbeits- bzw. Einkommensplätzen – leider oder zum Glück fehlen dabei Millionen Stühle!
Menschen also dafür zu verurteilen, dass sie arbeitslos sind – das ist zynisch und kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Vielmehr, es ist ein Denkfehler, eine Gegebenheit, für die es neue Lösungen und Experimentierfreude braucht: Warum geben wir uns nicht gegenseitig ein Grundeinkommen? Und arbeiten weniger, verteilen so die Arbeit auf mehr Schultern und geben uns die Chance, mehr Zeit zu haben und verschiedenste Dinge zu tun, bezahlt wie unbezahlt, und manche gar ganz zu lassen? Das Thema Hartz IV offenbart außerdem eine (noch) verbreitete Verlogenheit bzw. zumindest eine Ignoranz, die mich traurig und wütend macht. Leider scheinen sich die meisten Menschen, mich selbst bisher eingeschlossen, kaum mit diesem Problem zu befassen, weil es so unbequem und „uncool“ ist – man ist froh, wenn es einen selbst nicht betrifft und schiebt es ansonsten gern von sich weg. Aber was ist das für eine blamable Haltung?

Artikel 1, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, 1949:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.


Artikel 1, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Vereinte Nationen, 1948:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Wollen wir das wirklich drangeben? Oder es lieber in neuem Maße leben?

Samstag, 24. Februar 2018

Über den Müßiggang

Auf zwei Lesebücher möchte ich gern hinweisen. Für den müßig-tätigen Geist, für Interessierte an der Kunst der Langeweile, der Lebenskunst, wenn man so will. Zum Nachdenken und Vergnügen. Die Bücher versammeln ernste und heitere Betrachtungen aus den letzten Jahrhunderten zum Thema Faulheit, diesem Schreckgespenst der arbeits- und beschäftigungswütigen Welt. Viele der Texte erscheinen heute aktueller denn je! Ich finde ja, es stünde uns gut an, all dem Eifer und der Emsigkeit eine großzügige Prise Nichtstun hinzuzugeben. Vielleicht würde der Kuchen dadurch schmack- und nahrhafter?

Weitere Gedanken zum Thema, auch im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen, sowie die Buchempfehlungen folgen bei Klick auf Weiterlesen.

Freitag, 2. Februar 2018

Paradigmenwechsel?

"Free Lunch Society" ist der erste Kinofilm zum Bedingungslosen Grundeinkommen und  seit gestern in 100 deutschen Kinos zu sehen. Sehenswert, spannend, inspirierend und sehr erfreulich, wie ich finde.

Ein Beitrag aus dem BR-Fernsehen gibt Einblicke in die Doku und lässt den Regisseur zu Wort kommen. 

“Essen ohne Arbeit sowas gibt es nicht. Noch nicht. Denn führende Köpfe in Wirtschaft und Politik sind sich einig: das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen. Dokumentarfilmer Christian Tod hat eine Weltreise gemacht, um die vielfältigen Positionen zum bedingungslosen Grundeinkommen einzufangen."
 



Visionär, innovativ – und utopisch? Oder ist die Zeit langsam reif für die Idee? Nicht nur aus menschlicher, sozialer und kultureller, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht? So, wie sich die meisten Menschen vor 100 oder 200 Jahren nicht vorstellen konnten, dass unsere heutige Welt voll mit Autos, Zügen, Flugzeugen, Smartphones und 37 Joghurtsorten ist, dass es so etwas wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Krankenversicherung und Urlaub gibt oder dass sich Frauen selbstverständlich auch jenseits von Heim und Herd bewegen und homosexuelle Menschen Familien gründen so wird man sich vielleicht in 10 Jahren darüber wundern, dass sich die Menschen heute trotz oder wegen all des sogenannten Fortschritts in einem Hamsterrad aus Arbeit, Konsum und Bürokratie abgestrampelt haben, weil der einst gepriesene Kapitalismus aus dem Ruder gelaufen ist. Man sprach zwar vom aufgeklärten, mündigen "Bürger", das selbstständige, kritische Denken, das Innehalten und das Fühlen des Menschen (!) waren in all der Hektik aber irgendwann vergessen worden. Vielleicht beim morgendlichen Sprint zur U-Bahn, weggeworfen zusammen mit dem Coffee-to-go-Becher, im Warenkorb von Amazon oder auf der Facebook-Timeline liegengelassen. Oder es wurde in aller Heimlichkeit praktiziert, als wäre es etwas Unanständiges oder peinlich Naives. Eigentlich war es im Hamsterrad ganz bequem, aber nach einer Weile fing meistens doch irgendetwas an zu nagen in Hamsters (äh, Menschens) Kopf ...

Samstag, 1. Juli 2017

Sommergrau

Einen Brief zum Postkasten bringen, kurz raus an diesem Regen-Lese-Zuhause-Tag. Wie ruhig und unaufdringlich, wie unvorhanden draußen alles wirkt an so einem Tag. Jeder Sommer hierzulande hat ja solche Tage, manchmal Wochen. Zum Glück. Und doch brummt irgendwie die Erwartung mit, dass es anders sein könnte, müsste. Heißer wahrscheinlich, stetiger, sonniger, blauhimmliger, aktiver, flirrender. Damit es sich aufregend nach richtig Sommer, nach Filmromantik, Werbespot oder Kindheitsnostalgie anfühlt und man was zum Ächzen oder Träumen hat. Und doch ist es jetzt so. Herrlich unaufgeregt, etwas träge, aufmüpfig schlechtwettrig, gelangweilt verzaubert. Die Luft ist frisch geputzt, und auf allen Blättern glänzen die Tropfen. Hundert Prozent Leben, wie immer.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Zeit

„Das indische Wort ‚kal‘ bedeutet 
sowohl ‚gestern‘ als auch ‚morgen‘.“

(gefunden in der Speisekarte des Café makery in Braunschweig)

;)

Freitag, 5. Mai 2017

Sprachschönheiten

Das „Lexikon der schönen Wörter

Eine Schatztruhe voller Sprachfunde –
zeitlose Schönheiten, Raritäten und überkommene, 

leicht in Vergessenheit geratene Kleinode,
feinsinnig kommentiert.

Für Sprachfreunde und Schatzsucher.

Dienstag, 17. Januar 2017

Hart, aber herzlich

Buchladen & Café Treibgut, Dresden-Neustadt

Freitag, 8. Juli 2016

Furchtbar schön

Beständiges Klammern an Seifenblasen
geben doch weder Halt noch Hoffnung
welch Fluch, welch Segen.