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Montag, 4. September 2017

In leiser Herrlichkeit

Prächtige Wolkenschiffe
segeln lautlos
durch die Stille des Abendrots.

Montag, 7. August 2017

Kinomomente


 

Wenn man (fast) allein im Kino ist, an einem Sommernachmittag. Wenn es wichtiger ist, diesen Film zu sehen als zwei Stunden länger in der Sonne zu sein.

Wenn Manana in dem Film „Meine glückliche Familie“ in ihrer neuen Wohnung allein ist und es sich langsam schön macht. Wenn ein Klavierstück im CD-Player spielt, die Balkontür offensteht und der Wind in den Bäumen rauscht. Wenn sie Torte isst, so oft sie will. Wenn man spürt, wie befreit und zufrieden sie sich fühlt, trotz der Liebe für ihre Familie. Wenn Frauen, wenn Menschen mutig sind, unaufgeregt und würdevoll.

Wenn das Licht der Textzeilen im Abspann über die Sessellehnen fließt, auch dann noch, nur schwächer, wenn das Licht im Saal schon wieder angegangen ist.

Freitag, 4. August 2017

Kleine Freuden

Wenn im Flur nach dem Frühstück noch der Kaffeeduft in der Luft hängt.

Wenn man frisch gemahlenen Kaffee kauft und auf dem Weg durch die Stadt seinen Duft spazierenträgt.

Wenn man anderer Menschen Selbstgespräche mithört und sich leicht beschämt und berührt darin wiedererkennt (im Inhalt oder in der Tatsache, dass man auch welche führt).

Wenn man umständliche Dinge tut (oder Dinge umständlich tut) und eine große, heimliche Freude daran hat, nutzlos, zeit- und energieverschwendend zu handeln.

Wenn man sehr oft Wolken- und Himmelsformationen bestaunen und fotografieren muss. Wenn die Fotos aussehen wie fotorealistische Gemälde und Verwirrung darüber aufkommt, ob das nun "gekonnt" ist oder nicht. Wenn das allerdings egal ist.





Wenn man einen Kuchen zum ersten Mal backt und er gelingt, sogar sehr.

Wenn man einen analogen Brief schreibt und ihm ein echtes Blütenblatt beilegt.

Wenn in einem Buch aus der Bücherei noch ein alter Ausleihzettel klebt und der erste Stempel darauf von 1957 ist.

Wenn man in einem anderen sehr alten Buch eine Notiz findet, die in altmodischer Schrift und sehr, sehr ordentlich geschrieben ist. Wenn man sich ein bisschen dafür schämt, selbst keine so saubere und lesbare Handschrift zu haben.

Wenn man es schade findet, dass gewisse Tugenden von früher zu verschwinden scheinen, etwa Ruhe, Konzentration und Sorgfalt, wie sie sich zum Beispiel in ordentlichen Handschriften zeigen. Wenn man sich selbst (trotz mangelhafter Handschrift) in manchem altmodisch und uncool findet und das mag.

Wenn man Menschen sieht, die allein unterwegs sind, und ihre Vereinzelung anmutig findet.

Wenn das Brummen einer haltenden Straßenbahn, das Schlagen einer Kirchturmuhr und das Stimmengemurmel von Menschen zusammenkommen. Wenn Stadtlärm etwas Schönes, Sinfonisches hat.

Wenn man die Atmosphäre, die Details, die Empfindungen, das Zarte und das Skurrile in einem Buch mag und es genießt, darin einzutauchen.

Wenn einem vor Lachen Tränen in den Augen stehen.

Wenn der Rock auf dem Roller im Fahrtwind flattert.

Wenn eine Pflanze, die während einer Abwesenheit eingetrocknet war, wieder grüne Blätter und neue Knospen bekommen hat.

Wenn beim Abspülen das Wasser warm über Geschirr und Hände fließt.

Wenn man einen Fisch an der Wasseroberfläche betrachtet, dessen Mund sich wieder und wieder öffnet und schließt, und sich dabei vorstellt, dass Sprechblasen mit sinnlosen Aussagen aus dem Fischmund herausfließen. Wenn man sich des Weiteren vorstellt, wie schön es wäre, eine solche Szene zeichnen zu können. Wenn man nicht gut zeichnen kann, das aber nichts macht.

Wenn eigentlich nichts irgendetwas macht. Wenn das Leben sich lebt, in Freuden und Leiden und allen Nuancen, aber niemand da ist, der ein Leben führt. Wenn es scheinbar einfach so da ist und passiert, das Leben an sich.

Donnerstag, 3. August 2017

Sommerwind

Wenn der Wind die Haare komplett zerzaust, die Schwüle vertreibt und das Brennen der Sonne mildert. Wenn er die Bäume zum Rauschen und Klappern bringt.

Wenn der Wind dich lüftet, sodass du dich frisch und leicht fühlst. Wenn er den Himmel erst blau fegt und kurz darauf wieder unzählige Wolken erscheinen lässt. Wenn er Servietten durch die Luft wirbelt und Papiertüten auf der Straße rascheln lässt. Wenn trotzdem das meiste an seinem Platz bleibt, wundersamerweise.

Wenn der Wind so stark weht, dass du nur noch sein Rauschen hörst und sein Rütteln fühlst. Wenn er so stark ist, dass es sich angenehm aufregend und mulmig zugleich anfühlt, ihm ausgesetzt zu sein. Wenn du das Gefühl hast, jeden Moment abzuheben und davonzuwirbeln.

Wenn der Wind sich legt und wieder andere Geräusche und Empfindungen erscheinen. Wenn alles ist, als wäre nichts gewesen.

Sonntag, 30. Juli 2017

Julitage

Die weiße Taube mit den schwarzen Flecken
sitzt mit sechs weiteren
aufgereiht in der Regenrinne.

Jetzt sind die anderen weggeflogen
nur sie kauert noch
dem Regen trotzend.

Eine Spinne webt an ihrem Netz
sie eilt wie eine Seilläuferin einmal quer über die äußere Fensterfläche
scheint es zu reparieren
es wurde wohl vom Regen oder Wind beschädigt
welch faszinierendes Werk …

Es ist heute so kühl, dass ich
die Heizung angemacht habe
sie klappert geräuschvoll vor sich hin.

In der Schneise im Wald hängen Dunstschwaden
Staunen über all die verschiedenen Grüntöne der Bäume:
hell-, mittel-, dunkelgrün, bläulich, silbrig, …

Im nassen Wald spazieren gehen
es regnet nach, von den Blättern herunter
Gummistiefel an den Füßen, Kapuze auf dem Kopf
es ist so schön, nass und dreckig werden zu „dürfen“.

Schneckenbegegnungen, sehr viele & so vielfältig:
gestreifte, schwarze, gelbe und herbstlaubfarbene Häuser
Weinbergschnecken in Normal-, XXL- und Babyformat
unendlich langsam reiben sich zwei von ihnen an einem Blatt
(oder knabbern daran?)
dreimal setze ich eine Schnecke von der Straße an den Wegrand um.

Der würzige Duft von feuchter Erde, Blättern, Kiefernnadeln
ein Hauch von Lavendel und anderen Blüten
das Blaugraulila einer Distel (der schönen kugeligen Art und zwar, bevor die Blüten an den Stacheln aufgegangen sind)
ein Haselnusspärchen auf dem Boden finden

leider noch nicht reif, aber dafür die Brombeeren!
Welch FEST für die SINNE
was für eine Erfrischung und Belebung!

Zurück zuhause die Heizung nicht mehr brauchen
dafür eine Tasse Tee nachschenken
durchs geöffnete Fenster das Piepsen des Hühnerkükens hören
klein und flauschig tappst es inmitten der Großen umher
unglaublich süß und anrührend.

Auch die Schwalben ziehen eine neue Brut heran
schon die zweite oder dritte diesen Sommer
die Jungen piepsen auch, obwohl, es klingt krächzender
manchmal kann man ihre kleinen Köpfe und Schnäbel sehen
wie sie sich in Erwartung von Essen aus dem Nest recken
es ist ein Geschenk, sie als Mitbewohner zu haben.

Das Spinnennetz ist fertig repariert – wow
viel Glück, kleine Jägerin.

Die Fliegen im Zimmer
ich würde sie gern leben lassen (oder hinauskomplimentieren)
aber ich kann nicht.



(Apropos Schnecken: Das Buch "Das Geräusch einer Schnecke beim Essen" von Elisabeth Tova Bailey ist eine zauberhafte Beobachtung, eine Meditation über Schnecken und das Leben.)

Samstag, 29. Juli 2017

Drei Freunde

Es waren einmal eine Schnecke mit krummem Haus, ein Frosch mit Schnabel und ein einigermaßen normales Nashorn, die lebten unter Wasser. Wenn sie nicht gerade schwammen oder fraßen, staunten sie den ganzen Tag lang gemeinsam über die Welt, die sie umgab. Im Morgengrauen, wenn alles in Rosarot getaucht war, während der Mittagssonne, wenn die Wasseroberfläche funkelte wie tausend Diamanten, und im Abendlicht, wenn, mit viel Glück, wieder alles Rosarot oder Blauorange wurde. Auch in der Dunkelheit der Nacht, und wenn es regnete sowieso, dann hüpften und trommelten die Tropfen so lustig aufs Wasser. So ging das Tag ein, Tag aus, es war immer das Gleiche und doch immer anders. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.  


Mittwoch, 26. Juli 2017

Süße lange Weile

Langeweile ist köstlich
sie schmeckt wie warmer Vanillepudding
probier mal!

Samstag, 1. Juli 2017

Sommergrau

Einen Brief zum Postkasten bringen, kurz raus an diesem Regen-Lese-Zuhause-Tag. Wie ruhig und unaufdringlich, wie unvorhanden draußen alles wirkt an so einem Tag. Jeder Sommer hierzulande hat ja solche Tage, manchmal Wochen. Zum Glück. Und doch brummt irgendwie die Erwartung mit, dass es anders sein könnte, müsste. Heißer wahrscheinlich, stetiger, sonniger, blauhimmliger, aktiver, flirrender. Damit es sich aufregend nach richtig Sommer, nach Filmromantik, Werbespot oder Kindheitsnostalgie anfühlt und man was zum Ächzen oder Träumen hat. Und doch ist es jetzt so. Herrlich unaufgeregt, etwas träge, aufmüpfig schlechtwettrig, gelangweilt verzaubert. Die Luft ist frisch geputzt, und auf allen Blättern glänzen die Tropfen. Hundert Prozent Leben, wie immer.

Montag, 12. Juni 2017

Vom Lesen

Ich sitze und lese einen Dichter. Es sind viele Leute im Saal, aber man spürt sie nicht. Sie sind in den Büchern. Manchmal bewegen sie sich in den Blättern, wie Menschen, die schlafen und sich umwenden zwischen zwei Träumen. Ach, wie gut ist es doch, unter lesenden Menschen zu sein. Warum sind sie nicht immer so? Du kannst hingehen zu einem und ihn leise anrühren: er fühlt nichts. Und stößt du deinen Nachbar beim Aufstehen ein wenig an und entschuldigst dich, so nickt er nach der Seite, auf der er deine Stimmt hört, sein Gesicht wendet sich dir zu und sieht dich nicht, und sein Haar ist wie das Haar eines Schlafenden. Wie wohl das tut.
(Rainer Maria Rilke, „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“)

Donnerstag, 8. Juni 2017

Zeit

„Das indische Wort ‚kal‘ bedeutet 
sowohl ‚gestern‘ als auch ‚morgen‘.“

(gefunden in der Speisekarte des Café makery in Braunschweig)

;)

Dienstag, 23. Mai 2017

Lovely Prague

Stumbling across quiet places in crowded cities
wandering around, low-key
enjoying.

Donnerstag, 18. Mai 2017

Notiz über die Schönheit

Diese unbändige, tiefe und stille Freude, Schönes zu betrachten. Dinge, Menschen, Landschaften; Szenen aller Art, ob „analog“ oder digital oder was auch immer. Diese unsagbare Schönheit! Die Welt der Erscheinungen zu betrachten und sie gleichzeitig zu sein. All diese Bilder, egal welche; jede Regung zu sein und zugleich ewig unbewegt. Alles ist so interessant und staunenswert, so zart und roh. Alles ist das Leben, ein wundersames Spiel, verliebt in sich selbst.

Freitag, 5. Mai 2017

Sprachschönheiten

Das „Lexikon der schönen Wörter

Eine Schatztruhe voller Sprachfunde –
zeitlose Schönheiten, Raritäten und überkommene, 

leicht in Vergessenheit geratene Kleinode,
feinsinnig kommentiert.

Für Sprachfreunde und Schatzsucher.

Montag, 17. April 2017

Stills

Täglich ein Stillleben
ein Moment des Betrachtens
und Genießens.


www.stillblog.net 

Sonntag, 16. April 2017