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Freitag, 30. März 2018

Sonntag, 18. März 2018

Wenn ich ein Gesetz erlassen könnte ...

Neulich las ich im Jenaer Stadtmagazin die Seite mit Statements von Leuten, die auf der Straße zu einem bestimmten Thema befragt werden, à la Was würdest Du tun .... Diesmal war die Frage, was der jeweilige Mensch machen würde, wenn er ein beliebiges Gesetz erlassen könnte.

Ein oder zwei Antworten fand ich ziemlich gruselig, andere nicht relevant für mich und wieder andere sehr sympathisch: Zum Beispiel die, verkaufsoffene Sonntage zu verbieten, oder die, alle Gesetze gleich ganz abzuschaffen, damit Menschen nicht unnötig eingeschränkt werden (Gewalttaten begingen sie ja auch so). Das sagte jemand, der daran glaubt, dass Freiheit besser ist als Zwang und das Gute im Menschen größer als das Schlechte. An dieser Stelle liebe Grüße an Vasco, 28, Beruf heute hier, morgen dort.

Also, wenn ich ein Gesetz erlassen könnte, wenn ich für einen Tag Diktatorin dieses Landes wäre, dann würde ich alle Menschen zwingen, das Buch 1000 Euro für jeden. Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen. von Götz Werner und Adrienne Goehler zu lesen. Das Volk müsste allen Druck und alle Hetze hinter sich lassen und sich voller Muße und Leselust aufs Sofa oder in die Hängematte legen (jaja, die vielbeschworene Hängematte, denn mit einem BGE würde ja niemand mehr arbeiten, schlimm). Vorher könnten sich die Leute einen Tee machen, ein Bier holen oder was auch immer der Steigerung ihrer Arbeitsmoral dienlich wäre. Sie könnten sich auch in ein Café oder raus in die Sonne (naja, in den Schnee) setzen und auf Staatskosten einen Milchkaffee und ein Stück Kuchen bestellen. Nun wären alle angehalten, mit einem frischen Geist und offenen Herzen tätig zu werden, fleißig ans Werk zu gehen, wertschöpfend zu sein, der Volkswirtschaft zu dienen. Das heißt, zu lesen, innezuhalten, nachzudenken und in sich hineinzuhorchen. Das Buch müsste von allen durchgelesen werden, zwingend von vorn bis hinten, in schweren Fällen mehrmals hintereinander. Dazu hätte jede*r mehrere Tage oder von mir aus ein paar Wochen Zeit, da wäre ich gnädig. Alle übrige Arbeit müsste in dieser Zeit ruhen, mit den wirklich wichtigen Dingen wie etwa Brotbacken, Gemüseernten, Saubermachen oder der Versorgung von Babys und Kranken müssten sich alle abwechseln. Und die Kuchen und Kaffees in den Cafés müsste natürlich jemand machen, ebenso müssten Tee, Bier, Wein & Co. an der Hängematte nachgereicht werden. Musiker dürften zur Untermalung der kollektiven Be-Geisterung aufspielen, Poeten Gedichte schreiben, und noch ein paar andere Dinge mehr wären erwünscht, das müsste ich mir noch genauer überlegen. Ach ja, Kinder und Tiere dürften natürlich die ganze Zeit über machen, was sie wollten. Ja, so wäre das, und wenn dann alle fertig wären mit der Lektüre, könnten wir am darauffolgenden Tag das Bedingungslose Grundeinkommen einführen, weil alle Menschen das Thema endlich richtig kennengelernt und verstanden hätten. Weil sie eingesehen hätten, dass es menschenfreundlich, schön, rational und dringend notwendig ist. Weil nämlich jeder auch nur halbwegs intelligente, intuitive und initiative Mensch das BGE einfach verstehen und begrüßen muss, und mein Volk bestünde natürlich nur aus solchen Menschen, deswegen hätten sie ja auch mich als Herrscherin auserkoren.

Ja, wenn ... Wenn ich doch bloß das Sagen hätte ... ;)

So bleibt mir nur zu hoffen ... Und mich dafür einzusetzen und gespannt zu sein, ob/dass das BGE früher oder später kommen und die Last der Arbeitsfron von den Schultern dieser Gesellschaft nehmen wird – weil die Dreifaltigkeit aus (Erwerbs-)Arbeit, Geld und Konsum in Zeiten materiellen Überflusses und zunehmender Virtualisierung von Gütern nämlich längst nicht mehr wie ein Damoklesschwert über uns schweben muss. Ahhh ... Auf dass ein Ruck* und ein Seufzen durch Deutschland gehe, ein frischer Wind die Köpfe streife, ein bunter Wirbel wehe, aus Muße, Sinn und neuer Leistungslust, aus Freundlichkeit und Fairness, Offenheit und Augenhöhe, Mitgefühl und Vertrauen. Auf dass das Edle im Menschen die historisch einmalige Chance bekomme, einmal etwas stärker hervorgelockt zu werden. Vasco würde sich bestimmt auch freuen. Denn nach dem Fressen kommt doch eigentlich die Moral, zumindest wenn Brecht recht hatte?

*Nicht mit allem aus Roman Herzogs berühmter Rede von 1997 stimme ich überein, z. B. erscheinen mir unbedingtes Leistungsdenken, Arbeitsplatzschaffung und Wirtschaftswachstum fragwürdig. Auch fehlt die ökologische Frage in der Rede völlig. Aber der Appell, aus Überholtem aus- und in eine „frischere“ Gesellschaft aufzubrechen, den finde ich gut – und nach 20 (!) Jahren, in denen sich vieles zum Schlechteren verändert hat, aktueller und brisanter denn je. Let’s go?

Übrigens: Ich verlose hiermit fünf Exemplare des oben genannten Buchs. Wenn Du eins davon haben möchtest, schreib mir bitte in einer E-Mail (Adresse siehe unter Kontakt) Deine Anschrift, was Du vom BGE hältst und wie es Dein Leben vielleicht verändern würde. Und natürlich verpflichtest Du Dich, das Buch auch zu lesen, unter den oben beschriebenen Bedingungen ;).

Freitag, 9. März 2018

Naiv?

Naivität:

1.a.  von kindlich unbefangener, direkter und unkritischer Gemüts-, Denkart [zeugend]; treuherzige Arglosigkeit beweisend

   b.  (oft abwertend) wenig Erfahrung, Sachkenntnis oder Urteilsvermögen erkennen lassend und entsprechend einfältig, töricht [wirkend]

2.  (Literaturwissenschaft) in vollem Einklang mit Natur und Wirklichkeit stehend

(duden.de)


Wie naiv bist Du?
Schließen sich Unbefangenheit und kritisches Denken aus?
Warum heißt es so oft Kopf oder Herz/Bauch?
Freiheit oder Sicherheit?
Ich oder Du?

Ja. Nein. Jein.
Oft geht eben beides.
Sowohl-als-auch statt Entweder-oder!
 
Träum weiter.
Ja, genau!

Bedingungsloses Grundeinkommen:
Die Zeit ist reif :).



Und noch ein Link zum Thema:
Im PDF Mut zur Transformation diskutieren verschiedene Leute die Idee, den Hintergrund und die Umstände des BGE und beleuchten sehr viele Aspekte, die damit zusammenhängen. Erstellt wurde es in der Schweiz, wo sie ja mit dem Thema schon etwas weiter sind als wir hier in Deutschland; vgl. die Schweizer Volksabstimmung zum BGE vor zwei Jahren, in der sich 23 Prozent der Menschen dafür ausgesprochen haben – seitdem ist das Thema umso mehr auf dem Tisch. In Deutschland befürworten Umfragen zufolge zwischen 60 und 75 Prozent der Menschen das BGE. Das will doch etwas heißen!?


Sehr berührend und traurig finde ich die Geschichte von Paula Kunz ab S. 64. Sie zeigt eindrücklich die Unbarmherzigkeit des aktuellen Systems / der Erwerbsarbeits- und Leistungsnorm und die anscheinend große Lieblosigkeit der Menschen untereinander und gegen sich selbst. Eine "Aufgabe" der BGE-Diskussion (und der Armutsdiskussion und der "Flüchtlingskrise" und der Klimaproblematik, ...) scheint mir zu sein, diese Abgründe aufzudecken – und vielleicht zu einer Heilung beizutragen? Wir wollen doch alle einfach Mensch sein und möglichst frei und glücklich leben!?

"Warum ich das sogenannt 'normale' Leben nicht 'auf die Reihe kriegte', ist auch heute noch nicht eindeutig analysiert. Meine Lebenserfahrung und der Austausch mit anderen Menschen lehrten mich, dass das Leben eines Menschen nie gänzlich verstanden werden kann. Deshalb ist das bedingungslose Grundeinkommen so wichtig. Wir BürgerInnen sind einander keine Rechenschaft schuldig. Jeder Mensch macht von sich aus immer das Beste, was er vermag."

"Ich habe in den letzten Tagen etwas Wesentliches neu erkannt: Ich kann die Bedingungslosigkeit nur dann für mich wünschen, wenn ich nach dem Motto lebe: Ich bin genau richtig, so wie ich bin. Und die anderen sind es auch."