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Samstag, 24. Februar 2018

Über den Müßiggang

Auf zwei Lesebücher möchte ich gern hinweisen. Für den müßig-tätigen Geist, für Interessierte an der Kunst der Langeweile, der Lebenskunst, wenn man so will. Zum Nachdenken und Vergnügen. Die Bücher versammeln ernste und heitere Betrachtungen aus den letzten Jahrhunderten zum Thema Faulheit, diesem Schreckgespenst der arbeits- und beschäftigungswütigen Welt. Viele der Texte erscheinen heute aktueller denn je! Ich finde ja, es stünde uns gut an, all dem Eifer und der Emsigkeit eine großzügige Prise Nichtstun hinzuzugeben. Vielleicht würde der Kuchen dadurch schmack- und nahrhafter?

Weitere Gedanken zum Thema, auch im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen, sowie die Buchempfehlungen folgen bei Klick auf "Weiterlesen".


Freitag, 2. Februar 2018

Paradigmenwechsel?

"Free Lunch Society" ist der erste Kinofilm zum Bedingungslosen Grundeinkommen und  seit gestern in 100 deutschen Kinos zu sehen. Sehenswert, spannend, inspirierend und sehr erfreulich, wie ich finde.

Ein Beitrag aus dem BR-Fernsehen gibt Einblicke in die Doku und lässt den Regisseur zu Wort kommen. 

“Essen ohne Arbeit sowas gibt es nicht. Noch nicht. Denn führende Köpfe in Wirtschaft und Politik sind sich einig: das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen. Dokumentarfilmer Christian Tod hat eine Weltreise gemacht, um die vielfältigen Positionen zum bedingungslosen Grundeinkommen einzufangen."
 



Visionär, innovativ – und utopisch? Oder ist die Zeit langsam reif für die Idee? Nicht nur aus menschlicher, sozialer und kultureller, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht? So, wie sich die meisten Menschen vor 100 oder 200 Jahren nicht vorstellen konnten, dass unsere heutige Welt voll mit Autos, Zügen, Flugzeugen, Computern und Smartphones ist, dass es so etwas wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Krankenversicherung und Urlaub gibt oder dass sich Frauen selbstverständlich auch jenseits von Heim und Herd bewegen und homosexuelle Menschen Familien gründen so wird man sich vielleicht in 100 Jahren (oder schon in 10?) darüber wundern, dass sich die Menschen heute trotz oder wegen all des sogenannten Fortschritts in einem Hamsterrad aus Arbeit, Konsum und Bürokratie abgestrampelt haben, weil der einst gepriesene Kapitalismus aus dem Ruder gelaufen ist. Man sprach zwar vom aufgeklärten, mündigen "Bürger", das selbstständige, kritische Denken, das Innehalten und das Fühlen des Menschen (!) waren in all der Hektik aber irgendwann vergessen worden. Vielleicht beim morgendlichen Sprint zur U-Bahn, weggeworfen zusammen mit dem Coffee-to-go-Becher, im Warenkorb von Amazon oder auf der Facebook-Timeline liegengelassen. Oder es wurde in aller Heimlichkeit praktiziert, als wäre es etwas Unanständiges oder peinlich Naives. Eigentlich war es im Hamsterrad ganz bequem, aber nach einer Weile fing meistens doch irgendetwas an zu nagen in Hamsters (äh, Menschens) Kopf ...

Samstag, 27. Januar 2018

No more, no less


The opulent sky
clouds passing by
nothing else.

Samstag, 6. Januar 2018

Kleine Perlen

Lieblingsdinge zum neuen Jahr, sehr zum Träumen, Schmunzeln, Freuen: ein Kalender mit den wunderschönen, wundersamen Bildern von Quint Buchholz. Und eine Kalimba, gebaut von Amélie aus dem Atelier Méli-Mélo in Hamburg. Ganz einfach lassen sich diesem kleinen Instrument die schönsten Klänge und Vibrationen entlocken.

Freitag, 29. Dezember 2017

The Feast of Love

The song of life is playing all the time
everything is the message
a feast of love
of dullness
and pain. 

The brightest white
the darkest black
and every single
shade of grey. 

(That's
what makes it
so colourful.)

A celebration
of freedom
appearing
as
e
v
e
r
y
t
h
i
n
g

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Geschäft zum Weihnachtsfest

Was soll das heißen, die Wörter sind aus?
– Dass es keine mehr gibt. Sie sind alle weg.
Wie, alle? Wollen Sie damit sagen, dass …
– Genau das. Keins mehr da. Wobei, ein paar Restexemplare hätte ich noch, die haben aber Mängel. Sie würden vielleicht noch ein Gedicht ergeben, ein dadaistisches oder so.
Ein Gedicht aus Mangelware, so ein Unsinn! Ich hätte ganze Balladen, Debatten und Monologe gebraucht, pralle, süße Worte, etwas richtig Triefendes, verstehen Sie? Und auch reichlich Geschwätz und Phrasen, zur Untermalung, als Pausenfüller und so.

– Tja, da kann man nichts machen, die sind alle längst verkauft.
Das glaube ich einfach nicht! Um diese Zeit schon?? Dabei habe ich mich extra früh aufgemacht … Hätten Sie nicht wenigstens noch ein bisschen B-Ware da? Lästerei, Heuchelei, Lügen oder so etwas in der Art?
– B-Ware!? Also, ich weiß ja nicht. Die waren jedenfalls mit als Erste weg, zusammen mit dem Gezeter und Gebrüll, eigentlich noch vor dem Süßholz, wenn ich mich recht entsinne. Sogar die tiefgehenden und einfühlsamen Gespräche sind alle weg. Ich kann es selbst kaum glauben.
Machen Sie Witze? Und nun!? Soll ich etwa zum Fest ohne all das auskommen? Was bliebe denn dann noch? Können Sie mir nicht etwas aus Ihrem Privatkontingent verkaufen? Sie haben doch bestimmt was für sich selbst zurückbehalten? Ich zahle Ihnen auch den doppelten Preis!
– Tut mir leid, da ist nichts zu machen. Ich gebe zu, ich hatte etwas für mich abgeknapst, aber gestern kam ein Herr, der mir diesen Vorrat quasi unter der Ladentheke hervorgezerrt hat. Gierig hat er sich darüber hergemacht, hat sich die Wörter wie ein Verhungernder in Mund und Taschen gestopft, bis zum letzten Buchstabenkrümel.
Soll das heißen, Sie werden selbst auch nichts haben, bis zum Jahresende?

– So ist es. Neue Ware kommt erst im neuen Jahr und auch nur, wenn kein Schnee den Transport verhindert. Ich werde mich wohl an die Mängelexemplare und den Ladenhüter halten müssen.
Welcher Ladenhüter? Heißt das, es gibt doch noch etwas?
– Naja, Ladenhüter ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt. Kleine Mengen davon werden immer mal nachgefragt, manchmal auch größere, das kommt auf die Kundschaft an. Alles in allem ist es aber eher ein Nischenprodukt. Und auch nicht wirklich greifbar, müssen Sie wissen.
Nicht greifbar, wie meinen Sie denn das? Ist es eine Online-Version oder wie?
– Bewahre, nein, dann wäre sie ja längst ausverkauft. Es ist etwas anderes. Eigentlich ist es nichts.
Nichts?
– Naja, zumindest ist es nicht sehr auffällig und auch nicht redselig. Hier, schauen Sie, in dieser kleinen Box bewahre ich es auf. Es füllt sich immer von selbst auf, wenn ich mal etwas davon verkauft habe. Es ist unerschöpflich und sehr unverbraucht.
Darf ich mal sehen?
– Ja, schauen Sie nur. Es gibt aber nichts zu sehen.
Was steht denn auf dem Schild da? Lassen Sie mal sehen … Stille.
– Genau, so heißt es – Stille. Etwas anwenderorientierter könnte man auch sagen „Schweigen“ oder „Nicht sprechen“. Wirklich ein kleines Juwel, wenn ich’s mir recht bedenke. Eigentlich sollte ich dem aufgebrachten Herrn von gestern fast dankbar sein, dass er mir meinen Wörterrest entrissen hat. Es gibt ja noch die Stille, ich hatte sie selbst fast vergessen. Wie gut, dass Sie gekommen sind.
Na, was daran gut sein soll, dass uns nur noch das bleibt …
– Versuchen Sie es mal, es ist wirklich köstlich. Ich erinnere mich jetzt wieder … Und ganz hervorragend geeignet für die unterschiedlichsten Gelegenheiten. Zum großen Fest und zum Jahresende ist es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Oder ganz besonders passend, kommt darauf an, wie man es sieht.
Meinen Sie wirklich?
– Ja, ich meine es völlig ernst. Nehmen Sie vielleicht erstmal ein bisschen mit, zum Probieren. Es ist auch sehr günstig, schauen Sie: Es kostet nichts, ist aber sehr wertvoll.
Na, wenn das so ist. Völlig gratis, sagen Sie? Gut, ich nehme es, aber wirklich nur eine kleine Portion. Nachschub kann ich mir ja immer noch holen. Haben Sie auch an den Feiertagen geöffnet?
– Ich bitte Sie. Aber ich sagte ja, es erneuert sich gewissermaßen von selbst. Und da Sie sowieso keine Wörter im Haus haben werden, wird es sich auch langsamer verbrauchen. Ich packe es Ihnen in diese kleine Schachtel hier, und Sie werden sehen, sobald Sie etwas entnehmen, ist die Menge nach kurzer Zeit wieder aufgefüllt.
Das klingt ja sehr geheimnisvoll, fast wie Zauberei.
– Ja, ein wenig scheint es so zu sein. Hier haben Sie es, sogar mit Schleife. Eine besondere Stimmung und ein vorzügliches Geschenk. Viel Freude damit.
– Na, dann, ich bin gespannt. Frohe Weihnachten!

Montag, 4. Dezember 2017

The Snowman by Raymond Briggs

Yesterday's snow is gone again,
but The Snowman is still there (well, is he?).
Enjoy ...



Sonntag, 3. Dezember 2017

Lichterzeit


Die dunkle Zeit ist da
erhellt von flackernden Flammen
von Sternen überall
und tanzenden Flocken
sie hüllen die Welt
in weißes, stilles Weich.

Ich wünsche einen schönen ersten Advent
und viel Schneegenuss.

****

Donnerstag, 30. November 2017

Cafémoment

Ich sitze in einem Café am Fenster und schaue der Wintersonne beim Verschwinden zu. Und in das schöne hohe Rundbogenfenster des Hauses gegenüber hinein. Zwei Kerzenleuchter mit je sieben Armen stehen darin, links und rechts davon hängen lange Vorhänge. Ich stelle mir vor, dass es ein schönes, großzügiges Zimmer ist, eine schöne Wohnung mit viel Raum, hohen Decken und viel Licht. Und dass jetzt jemand nach Hause kommt, gedämpftes Licht einschaltet und die Kerzen in den Leuchtern entzündet. Er oder sie geht mit einer Tasse Tee oder Kaffee zum Fenster, bleibt dort stehen und sieht wie ich auf die Straße hinunter, nur von der anderen Seite. Sieht das erleuchtete Café und wie ich und zwei andere einzelne Gäste hier im Fenster sitzen, versunken in etwas oder einfach schauend. Schemenhaft sehe ich den Dampf aus der Tasse des Menschen in der Wohnung gegenüber aufsteigen und wie sich seine Hände darum legen, zum Aufwärmen und weil es sich so gut anfühlt, eine schön geformte, volle Tasse in den Händen zu halten. Draußen wird es immer dämmriger. Die beiden Bäume, die ich von hier sehe und deren Blätter vor ein paar Wochen noch gelb geleuchtet und im Wind getanzt haben, zeichnen sich nun kahl und schwarz gegen die Häuserfassaden ab. Jetzt kommen die dunkelsten Wochen des Jahres. Wunderschön. ★

Sonntag, 26. November 2017

Oh, schöne Frau

Nude on Fur by Mary Grooteman

 Sanft und zerbrechlich
sie setzt sich aus
und weiß sich zu schützen
sucht sich die weichen Plätze
für ihre Rast.

Zerbricht nicht
ist eine zarte Kraft.

Freitag, 17. November 2017

Momentnotizen

Manchmal habe ich das Gefühl, mein ganzes Leben spielt sich an meinem Schreibtisch ab. Nicht weil ich pausenlos arbeiten oder Zeit am Laptop verdaddeln würde (das auch). Sondern weil es so viel zu sehen gibt, so viel zu erleben an diesem vermeintlich immer gleichen Ort. Zum Beispiel beim Blick aus dem Fenster. Es ist ein Zauber, was ständig geschieht ...

Ein leuchtend gelbes Blatt hat sich in einem Spinnennetz vor meinem Fenster verfangen und baumelt jetzt am seidenen Faden. Der Wind wirbelt es wild nach allen Seiten.

An dem anderen Fenster ein verschrumpeltes Spinnennetz. Seit Tagen oder Wochen schon baumelt das kleine Knäuel dort herum, wackelt und dreht sich im Wind, stört immer mal den Blick. Doch wie könnte ich es wegmachen, wo es doch gerade aussieht wie ein Seepferdchenkopf?

Die Amseln und Spatzen, die auf den alten Stromleitungen umherhüpfen und sie zum Wippen bringen. Die Regentropfen, die an den Kabeln hängen, aufgereiht wie eine Perlenschnur.

Der Apfelbaum in Nachbars Garten, der noch alle seine Blätter trägt. Einige sind gelb verfärbt, die meisten aber noch von grüner Farbe. Es ist jetzt ein gräulich-silbriger, fahler Ton.


In Nachbars Garten, vor dem Apfelbaum, wurde heute wieder der große gelbe Herrnhuter Stern aufgehängt. Er wird uns durch die dunkle Zeit leuchten, wird ein Gefühl von Wärme und Behaglichkeit verbreiten.

Ein Fussel schwebt durch die Luft, am Bildschirm vorbei kreuzt er meinen Blick und verschwindet wieder, sanft und lautlos.


Es ist vier Uhr nachmittags, und es beginnt zu dämmern. Bald gibt es nichts mehr zu sehen im Fensterkino. Doch, das Leuchten des Sterns.

Mittwoch, 15. November 2017

Caféliebe

Sittin' in the mornin' sun
I'll be sittin' when the evenin' come
Watching the people roll in
And then I watch 'em roll away again, yeah

I'm sittin' at the window of the café
Watching the leaves fall away
Ooo, I'm just sittin' at the window of the café
Wastin' time 

Eigentlich geht der Text ja so
aber anders ist er auch schön ... :)